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1-2-Switch: Tierschützer kritisieren Melkspiel

04.04.2017 um 09:38 Uhr in News3D Spielecasual

Die Tierschutzorganisation PETA beschwert sich in einem Brief an Nintendo darüber, dass das Kühemelken in einem der Minispiele von 1-2-Switch, einem Launch-Titel der Nintendo Switch, der grausamen Realität nicht gerecht wird.

Für 1-2-Switch musste sich Publisher Nintendo schon einiges an Kritik anhören. Anstatt die Minispielsammlung für die hauseigene Switch der Konsole einfach beizulegen, wie es das Unternehmen einst im Fall der Wii mit Wii Sports gemacht hat, wird sie für satte 50 Euro verkauft. Dass das Preisleistungsverhältnis überhaupt nicht passt, dürfte niemanden verwundern. Doch nun wurde auch noch eine ganz andere Form von Kritik an dem Switch-Launch-Titel laut.

PETA hat ja schon öfter Videospiele ins Visier genommen – erinnern wir uns nur mal an die Ratte, die ihr in der ersten Mission der Einzelspielerkampagne von Battlefield 3 tötet. Nun hat sich die Tierschutzorganisation 1-2-Switch vorgeknöpft, genauer gesagt dessen Melkminispiel. Dabei treten zwei Spieler gegeneinander an und versuchen, schneller zu melken als der Gegner – klingt komisch, ist aber so. PETA gefällt das gar nicht, weil Nintendo die grausamen Methoden einiger moderner Molkereien nicht berücksichtigt habe.

In einem Brief an Nintendo schreibt Ingrid E. Newkirk, die Präsidentin der PETA: „Um das Melken akkurat zu simulieren, müsste 1-2-Switch alle Aspekte von Molkereien aufzeigen, inklusive der gewalttätigen Besamung weiblicher Kühe durch […] sogenannte ‚Rape Racks‘.“ Dass Kühe ihre Milch eigentlich produzieren, um ihre Jungtiere zu füttern, dürfte jedem bekannt sein. Die Molkereibetriebe würden laut Newkirk die Kälber kurz nach ihrer Geburt von den Müttern trennen, „damit stattdessen die Menschen ihre Milch nutzen können“. Die PETA-Präsidentin schreibt zudem, dass Mutterkühe in solchen Fällen tagelang nach ihren Babys brüllen. „Vielleicht können Sie diese Sounds in das Spiel einfügen, um die Spieler daran zu erinnern, dass sie, wenn sie Milch trinken, eine Industrie unterstützen, die Mütter von ihren Jungtieren trennt“, heißt es in dem Brief an Nintendo.

Der virtuellen Kuh in 1-2-Switch geht es bestimmt gut. Von den echten Tieren in Molkereien lässt sich das nicht immer behaupten.

Nun war es wohl kaum die Absicht des japanischen Konzerns, in 1-2-Switch das Melken von Kühen realistisch darzustellen. Zudem richtet sich die Minispielsammlung an Kinder und Familien und da wäre die Darstellung der wahren Verhältnisse in Molkereien wohl nicht unbedingt hilfreich, um eine entsprechende Altersfreigabe zu erhalten. Außerdem geht es in 1-2-Switch auch nicht um die Arbeit in einem solchen Betrieb, sondern um den stereotypen Bauern, der auf der Weide sitzt und mit den bloßen Händen seiner geliebten Kuh etwas Milch aus dem Euter herausmelkt. Natürlich sind die Probleme, die PETA anspricht, nicht von der Hand zu weisen. Aber ob ein Partyspiel für die Nintendo Switch die richtige Zielscheibe für Kritik an der Milchindustrie ist, darf stark bezweifelt werden. Immerhin: Aufmerksamkeit hat die Aktion auf jeden Fall gebracht.

Quelle: PETA auf Facebook