Star Wars: Battlefront 2 wird geil, weil Star Wars

Autor: Ahmet Iscitürk

Ein Star-Wars-Fanboy und ein normaler Mensch diskutieren über EAs nächsten Krieg der Sterne.

Fanboy: Geil, hast Du den neuen Battlefront-2-Trailer gesehen? Das wird der absolute Hammer!

Normaler Mensch: Sollte nicht schon Teil 1 der absolute Hammer werden? Wenn ich mich richtig erinnere, handelt es sich beim ersten Teil um einen durchschnittlichen Multiplayer-Shooter, der einen Umfang bietet, den man sonst eher mit kostenlosen Demos in Verbindung bringt.

Fanboy: Aber man konnte mit dem Millenium Falcon herumfliegen und AT-ATs steuern, außerdem ist das sowieso Schnee von gestern. Teil 2 hat nämlich eine Singleplayer-Kampagne! Das wird der absolute Hammer!

Normaler Mensch: Das ist natürlich ein echter Kaufgrund. Jetzt mal ganz unter uns: Du findest das Ganze doch nur so geil, weil Star Wars draufsteht. Das letzte Battlefront hätte 50%-Wertungen verdient, aber weil die Masse in Star Wars verliebt ist, wurde das Spiel trotz seiner Mängel sehr positiv aufgenommen.

Fanboy: Klar, aber daran ist doch nichts Verwerfliches. Star Wars ist ein popkulturelles Phänomen und die erfolgreichste Filmreihe aller Zeiten. Wenn es einem Spiel gelingt, die Essenz von Star Wars glaubhaft einzufangen, dann hat es tolle Wertungen verdient.

Normaler Mensch: Die Essenz von Star Wars? Du meinst die Abzocke verblendeter Idioten? Das hat EA in der Tat perfekt hinbekommen. Ein unfertig wirkendes Spiel wird zum Vollpreis veröffentlicht und von den Fans trotzdem gefeiert. Wenn Benzin zwei Cent teurer wird, geht ihr an die Decke, aber für eine Mogelpackung wie Battlefront 1 legt ihr mit Freuden 69 EUR auf den Tisch.

Fanboy: Es ist verletzter Stolz, der aus Dir spricht, weil Lucasarts vor Jahren deine Spielidee „Star Wars: Sebastian Vettelfront“ abgelehnt hat. Außerdem bist Du neidisch, weil Du nicht dazu gehörst. Wir Star-Wars-Fans sind eine eingeschworene Gemeinde und Du musst leider draußen bleiben.

Normaler Mensch: Whatever! Du musst doch zugeben, dass es unfair ist, wenn EA für einen mittelprächtigen Titel wie Battlefront sehr gute Wertungen bekommt. Wäre es einfach nur ein SciFi-Shooter ohne dicke Lizenz gewesen, hätten es alle Tester zerrissen.

Fanboy: Du willst es nicht verstehen. Es ist eine außergewöhnliche Leistung, wenn es einem Studio gelingt, eine Weltraumoper wie Star Wars so authentisch als Spiel umzusetzen. Selbst der Funkenflug, wenn man mit dem Blaster daneben feuert, sieht genauso aus wie im Film. Alleine dafür liebe ich das Spiel, auch wenn der Umfang zu wünschen übriglässt und die Spielmodi uninspiriert wirken.

Normaler Mensch: Ok, dann probieren wir es mal mit einem Gedankenspiel. Sagen wir, ich würde die Rechte an dem Porno-Film Shaving Ryans Privates erwerben und darauf basierend einen Ego-Shooter entwickeln. Das Spiel ist ganz ok, nicht besonders umfangreich, doch die Atmosphäre von Shaving Ryans Privates wurde perfekt eingefangen, bis ins letzte Detail. Hätte dieser Titel dann sehr gute Wertungen verdient?

Fanboy: Nein.

Normaler Mensch: Wieso nein? Vorhin hast Du genau mit denselben Argumenten die hohen Wertungen von Star Wars: Battlefront verteidigt.

Fanboy: Das ist aber etwas anderes. Es ist Star Wars. Eine Filmreihe, die seit über 30 Jahren Abermillionen begeistert. Es gibt Star-Wars-Filme, TV-Serien, Bücher, Brettspiele, Bettwäsche und so weiter. Das ist einfach eine ganz andere Liga. Wie viele Menschen würden sich denn über eine authentische Umsetzung von Shaving Ryans Privates freuen? Dreißig oder vierzig Perverse weltweit?

Normaler Mensch: Wir sind also weniger relevant, weil es von uns nicht so viele gibt wie von Euch? Warum nicht auch gleich alle Behindertenparkplätze abschaffen? Es gibt schließlich viel mehr Menschen ohne Handicap!

Fanboy: Ach komm, das eine hat doch mit dem anderen überhaupt nichts zu tun. Du suchst einfach nur irgendwelche fadenscheinigen Argumente, weil Du auf der rationalen Ebene nichts erreichst. Außerdem finde ich es schon irgendwie bedenklich, dass diese Diskussion in deinem Kopf stattfindet. Bist Du schizophren?

Normaler Mensch: Was ist heute schon normal und was nicht? Außerdem werde ich doch wohl ein Streitgespräch mit mir selbst führen dürfen? Ich habe schließlich zwei Gehirnhälften und es ist deutlich komfortabler als mich mit einem echten Star-Wars-Fan zu unterhalten.

Fanboy: Diese fiktive Unterhaltung entbehrt aber jeder Relevanz, weil sie nicht repräsentativ ist. Außerdem sollte so eine Kolumne doch irgendwie die Meinung des Autors widerspiegeln und hier sind es ja zwei Meinungen.

Normaler Mensch: Was weißt Du denn schon, du Star-Wars-Schwein? Du guckst Star Wars, weil Du zu dumm bist, Star Trek und Gene Roddenberrys Vision zu verstehen. Deine Helden versuchen seit 30 Jahren irgendwelche Todessterne zu vernichten und Vater-Sohn-Konflikte zu lösen, weil die Drehbuchautoren ihre saudumme Zielgruppe nicht überfordern dürfen.

Fanboy: Wie bitte? Star Trek ist doch an Trivialität und naivem Kitsch nicht zu überbieten! Wer lernt denn bitte freiwillig eine Fantasy-Sprache wie Klingonisch? Ganz sicher keine smarten Menschen. Außerdem: Wieso bin ich „Fanboy“ und Du ein „Normaler Mensch“?

Normaler Mensch: Papperlapapp! Es soll hier nicht um den Krieg zwischen Star Wars und Star Trek gehen. Das Ganze war doch als Kolumne zum Thema Battlefront 2 geplant…

Fanboy: Wer etwas über Battlefront 2 wissen möchte, soll einfach diese News-Meldung lesen. Ich habe keine Lust mehr, mit so einem Kretin wie Dir zu diskutieren.

Normaler Mensch: Wir können aber nicht so einfach aufhören. Die Leser wünschen sich ja immer irgendein befriedigendes Schlusswort oder zumindest eine smarte Message.

Fanboy: Ok, ich versuche es. Hmm… lieber Leser, egal wofür dein Herz auch brennen mag, lass dir deine Leidenschaft nicht von Miesepetern schlechtreden. Egal, ob Anime, Star Wars, Skateboarding oder Harry Potter. So lange es Dich glücklich macht, ist die Welt in Ordnung.

Normaler Mensch: Ja, das kann ich so stehen lassen, auch wenn ich seit Jahren ein Verbot von Anime, Star Wars, Skateboarding und Harry Potter fordere. Als hochgeistiges Wesen muss ich die Meinungen der einfachen Leute eben akzeptieren.

Über den Autor:

Kleinkariertes, die @SchweinOfLove Kolumne

Kleinkariertes, die @SchweinOfLove Kolumne

Ahmet Iscitürk schreibt seit 1998 über Spiele und vieles mehr. Seine Texte sind schlecht und er schämt sich dafür.

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